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Martin H. Lorenz

Vermutlich ist mir das Kochen irgendwie in die Wiege gelegt worden, denn schon für meinen Vater war es eine Wochenendbeschäftigung, bei der er sich regelmäßig „verkünstelt“ hat. Im Alter von 10 Jahren habe ich erstmals ein Kotelett gebraten – und weil ich immer schon ein wenig eigensinnig war, habe ich mich in der Küche eingeschlossen. Da ich keine Erfahrung mit der richtigen Hitze beim Herd hatte, habe ich das ganze elterliche Reihenhaus unter Rauchschwaden gesetzt. Mutter war kurz davor, die Feuerwehr zu rufen…

 

Das ist nun fast ein halbes Jahrhundert her und mir brennt auch heute noch mal was an – aber nur, wenn ich mich während des Kochens von anderen Dingen ablenken lasse. Alles was ich übers Kochen weiß, habe ich mir autodidaktisch beigebracht und angelesen. Und ich glaube, dass ich seit einem Schlüsselerlebnis zu einem Hobby-Koch geworden bin, der Sterne-Niveau erreicht, aber Respekt hat vor dem Beruf des Küchenmeisters. Ich habe diesen nämlich nicht gelernt und kann daher dieses Niveau auch nur erreichen, wenn ich für eine überschaubare Anzahl an Gästen kochen darf. Ein Restaurant zu beschicken endete im Fiasko – dessen bin ich mir sicher.

 

Schon früh begann ich Menüabende für Freude zu veranstalten. Dabei war mir von Beginn an wichtig, nichts von der Stange zu kochen. Hausmannskost gibt es bei mir jeden Tag, und ich liebe es! Aber für Gäste muss es außergewöhnlich sein, deshalb begann ich Kochbücher zu studieren und mich davon inspirieren zu lassen. Je „wilder“ ein Rezept war, umso mehr wollte ich mich damit beschäftigen. Noch heute liegen immer mindestens 10 Kochbücher an meinem Bett und ich blättere vor dem Schlafengehen noch in einem darin. In der Zwischenzeit besitze ich etwa 700 Kochbücher, die ich (fast) alle in meiner Kochdatenbank archiviert habe. Aus interessanten Rezepten kreiere ich heute mit Vorliebe neue Ideen.

 

2009 – an Selbstvertrauen mangelte es mir noch nie – schrieb ich an das ZDF und provozierte mit dem Spruch, dass die dargebotenen Kochsendungen oft wirklich kaum erträgliches Niveau seien. Prompt erfolgte die Einladung zu einem Dreh auf „Mein Schiff“ während einer Mittelmeerkreuzfahrt. Und das war dann das bereits oben beschriebene „Schlüsselerlebnis“. Zum einen musste ich erkennen, dass auch ich nur mit Wasser koche, zum anderen fing ich ab diesem Tag an, mich so intensiv mit dem Thema zu beschäftigen, dass sich fortan alles änderte. Ich begann nebenberuflich als Event-Koch zu arbeiten, der sich in fremde Küchen buchen ließ, musste aber schnell feststellen, dass es neben der eigentlichen beruflichen Belastung kaum zu schultern war. Der Höhepunkt war ein Menüabend für 45 Personen in einem Restaurant, bei dem ich mit einer Kochfreundin fünf Gänge zubereitete.

 

2015 erschien mein erstes Kochbuch „Kochen, Küche & Kultur – Heilbronner Land“, eine Liebeserklärung an meine Geburtsstadt. Das Buch ist eigentlich ausverkauft, aber manchmal kann man noch ein Exemplar ergattern. Ich bin bis heute dem Verlag dankbar, der mir als Küchen-Nobody die Chance gab, ein eigenes Buch zu veröffentlichen. Und mehr noch: 2019 gab es sogar eine Fortsetzung mit „Kochen, Küche & Kultur – Weinland Württemberg“. Und nun, 2021 wird es im September mit „NUR SUPPE.“ bei einem großen Münchener Verlag schon Buch Nummer drei geben.

 

Ich bin beruflich viel im Ausland. Das hat meine Sicht auf die regionalen Gerichte, Zutaten und Kulturen extrem geprägt. Deshalb gibt es bei mir durchaus auch Crossover auf dem Speiseplan. Gerade diese Einflüsse halte ich für spannend. Und ich unterhalte weltweite Kontakte zu Köchen, richtig oft sogar absolute Stars in ihren Ländern, nicht selten ausgezeichnet mit zwei oder drei Michelin-Sternen. Franck Giovannini oder Meta Hiltebrand in der Schweiz, Dan Hunter in Australien, Peter Goosens in Belgien, JP McMahon in Irland, Michael Tusk in den USA, Guy Savoy oder William Ledeuil in Frankreich, Anna Matscher oder Davide Oldani in Italien, Helena Rizzi in Brasilien, Ricardo Muñoz Zurita oder Jorge Vallejo in Mexiko, Chan Yan-tak in China, Yoshihiro Murata oder Hiroyasu Kawate in Japan, Bo Songvisava & Dylan Jones in Thailand, David Hawksworth in Kanada, Martin Berasategui in Spanien, um nur mal ein paar Beispiele zu nennen – und unzählige Kontakte in Deutschland, Österreich und auch besonders in Osteuropa, das für mich fast eine zweite Heimat geworden ist. 

 

Gute Lebensmittel sind für mich unverzichtbar. Convenience ist zwar schön und gut – aber nur, wenn die Qualität nicht leidet. Wenn ich Fleisch und Fisch kaufe, dann vom Händler meines Vertrauens. Ich liebe den samstäglichen Bummel über den Heilbronner Wochenmarkt und kaufe oft spontan etwas, das ich dann am Wochenende in ein leckeres Gericht verwandle. Ich habe kein Problem mit Vegetariern, denn Gemüseküche ist ebenfalls unglaublich vielfältig. Aber ich möchte auf tierische Lebensmittel nicht verzichten – jeder Versuch, mich zu „missionieren“ wird scheitern.

 

Kochen ist meine Leidenschaft, nicht mein Beruf. Deshalb ist dieser Foodblog ein Angebot für Menschen, die sich inspirieren lassen möchten.

 

Ich bin übrigens Jahrgang 1966, Vater von einem leiblichen Sohn und einer nicht minder geliebten angenommenen Tochter mit zwei entzückenden Enkeln. Ich bin auch beruflich in der Lebensmittelbranche, allerdings geht es hier ums Backen, das ich in meiner eigenen Küche nur ausnahmsweise mache. Desserts und Süßspeisen sind für mich eher kein Vergnügen. Auch im Restaurant nehme ich lieber die Vorspeise als den Nachtisch. Und dazu ein Glas Wein, dann ist der irdische Genuss für mich vollkommen.

 

Übrigens: „Gourmaîtres“ wurde 2010 von meiner Kochfreundin Evelyn und mir aus der Taufe gehoben. Sie hat sich dann leider recht schnell aus unserer gemeinsamen Kochidee verabschiedet. Seitdem gibt es nur noch einen „Gourmaître“, aber die Schreibweise in der Mehrzahl ist geblieben.

Meine Bücher

2015: „Kochen, Küche & Kultur – Heilbronner Land“, Edition Limosa

2019: „Kochen, Küche & Kultur – Weinland Württemberg“, Edition Limosa

2021: „NUR SUPPE.“, Callwey

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