• Martin H. Lorenz

Wirsing



Früher war der Wirsing als „Arme-Leute-Essen“ verschrien und wurde seinen Ruf erst los, als die Sterneküche ihn im letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts für sich entdeckte. Was ihm auch gerecht wird, denn er schmeckt deutlich feiner als seine robusten Verwandten aus der Kraut- und Kohlfamilie. Seine zarten, gekräuselten Blätter werten geschmacklich und optisch so manch edles Gericht zusätzlich auf. Er ist unter allen Wintergemüsen mit am weitesten verbreitet. Er hat ein mildes Aroma und ist daher facettenreich einsetzbar. Er passt zu allen Fleischarten – zu dunklen wie hellen gleichermaßen. Man verwendet ihn meist als Gemüse, als Roulade mit Füllung oder statt einer Farce zum Einrollen von Fleischstücken. Man sollte es ihm allerdings nicht antun, ihn zu verkochen – seine feine Struktur hat das nicht verdient.